Hund

Fragen Sie Ihren Tierarzt und nicht Ihren Apotheker!
 

Sie wollten eigentlich nur "ein" Medikament kaufen?

Und Sie sind nicht (noch nicht) Kunde in der Praxis?


Dann geht das leider ohne die Vorstellung des tierischen Patienten in der Tierarztpraxis nicht. Warum? Weil es uns von Gesetzes wegen nicht erlaubt ist. So regelt die Tierärztliche Hausapothekenverordnung (TÄHAV, 1996) den Umgang, also den Erwerb, die Herstellung und die Abgabe von Arzneimitteln durch die Tierarztpraxis. Danach ist es uns Tierärzten erlaubt, eine sogenannte tierärztliche Hausapotheke zu führen, wodurch der Umgang mit Medikamenten erst möglich wird. Jedoch hat der Gesetzgeber uns Tierärzten auch gewisse Beschränkungen auferlegt, z.B. nun gerade in der Frage des Arzneimittelverkaufs. Dieser darf laut Gesetz nur in Zusammenhang mit der tierärztlichen Behandlung erfolgen, unabhängig davon, ob die Arzneimittel verschreibungspflichtig oder rezeptfrei sind. Darin besteht ein großer Unterschied zur normalen Apotheke. Diese darf zumindest nichtverschreibungpflichtige Arzneimittel (rezeptfreie), auch Tierarzneimittel, verkaufen. Ob das aber für Sie vorteilhaft wäre, klären wir später.

Sind Sie als Tierhalter mit Ihrem Tier nun Patient in der Praxis, können Sie ein Medikament z.B. ein Flohmittel oder die "Herzpille" auch ohne erneute Vorstellung des Tieres erwerben, wenn ein Zusammenhang zur letzten Behandlung gegeben ist, d.h., wenn diese nicht ewige Zeiten zurückliegt bzw. der Gesundheitsstatus Ihres Tieres bekannt ist.

Mal ganz abgesehen davon, dass der Gesetzgeber das so will, macht die Vorstellung des Patienten in der Praxis aber auch Sinn. Denn oft wird die Erkrankung vom Tierbesitzer nicht richtig eingeschätzt. Was ist, wenn Sie z.B. nur ein Flohmittel kaufen würden und das Tier hätte aber Milben? Was, wenn Sie eine Entwurmung kaufen würden, die nur Rundwürmer abdeckt und dann waren es aber Bandwürmer? Noch schlimmer ist, wenn ein eitriges Auge vermeintlich als Bindehautentzündung nur mit Augentropfen behandelt würde und es wäre in Wirklichkeit eine Zahnfistel die Ursache! Da genau liegt das Problem, wenn Sie nur ein Medikament nach gut dünken gekauft hätten oder in die "Menschen"-Apotheke gegangen wären.

Warum lieber nicht in die "Menschen"-Apotheke gehen?

Bei nichtverschreibungspflichtigen Arzneimitteln könnten Sie diese in der Apotheke kaufen. Jedoch sollten Sie wissen, dass Apotheken nur mit einem Bruchteil der Tierarzneimittel beliefert, die oft auch noch teurer sind als in der Tierarztpraxis (siehe weiter hinten). Wichtiger jedoch ist der Umstand, dass Apotheker in keinster Weise für Tierarzneimittel ausgebildet sind. Im Studium der Apotheker kommen Tiere nämlich überhaupt nicht vor. D.h. eine fachkompetente Beratung zur Anwendung des Präparates kann nicht erfolgen und schon gar nicht in Bezug auf Nebenwirkungen. Oft führen falsche Dosierungen oder gar falsche Medikamente (z.B. eine Entwurmung gegen Rundwürmer tötet eben keine Bandwürmer ab!) nicht nur zu keiner Besserung, sondern durch den Zeitverzug sogar zu einer Verschlechterung des tierischen Befindens.

Verschreibungspflichtige Medikamente darf der Apotheker Ihnen nicht frei verkaufen. Dafür braucht er nämlich ein Rezept vom Tierarzt. Gibt er das Medikament ohne Rezept ab, macht auch er sich strafbar. Um ein Rezept zu bekommen, muss der Tierbesitzer nun wiederum sein Tier in der Praxis vorstellen oder dort Kunde sein. Dann kann er auch gleich das Medikament dort kaufen, hat unter Umständen eine viel größere Auswahl und wird fachkompetent beraten. Denn wir Tierärzte haben in unserem Studium etwas gelernt über besondere Wirkungsweisen von Arzneimitteln bei verschiedenen Tierarten über spezielle Dosisansprüche sowohl der einzelnen Tierarten als auch noch der unterschiedlichen Altersstufen. Außerdem sind wir Tierärzte informiert über Rückstände von Medikamenten bei Tieren, die zum Verzehr dienen. Normale Apotheker wissen von all diesen Problemen nichts. Sie lernen in ihrem Studium nur etwas über eine einzige Spezies, nämlich den Menschen. Wenn es also um Fragen zu einem Medikament geht, was am Tier zum Einsatz kommen soll, gibt es nur eine Antwort: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie besser Ihre/n Tierarzt/Tierärztin und nicht Ihren Apotheker!"

Warum nicht einfach "Menschen"-Medikamente verwenden?

Für viele Erkrankungen der unterschiedlichsten Tierarten gibt es spezielle Tierarznei-mittel. Das muss so sein, weil es z.B. Erkrankungen bei Tieren gibt, die beim Menschen nicht vorkommen. Bestimmte Medikamente werden von manchen Tierarten überhaupt nicht vertragen und können sogar tödlich sein (z.B. Penicillin bei Vögeln). Außerdem werden einige Wirkstoffe ganz anders dosiert als beim Menschen. Ferner muss bei Tieren, die dem Verzehr dienen, Rückstandsfreiheit gewährleistet sein. In bestimmten Ausnahmefällen dürfen auch bei Tieren Menschenmedikamente zum Einsatz kommen.

Der Gesetzgeber regelt auch hier mit Vorschriften des Arzneimittelgesetzes (AMG, 2003), nicht nur die Anwendung von Humanarzneimitteln, also "Menschen-"Medikamenten, sondern auch von Tierarzneimitteln. Danach müssen wir Tierärzte Tierarzneimittel verwenden, wenn es sie gibt. Erst wenn kein Tierarzneimittel für einen bestimmten Zweck erhältlich ist, darf auf Humanarzneimittel zurückgegriffen werden (Therapienotstand). Nur der Umstand, dass ein Menschenmedikament billiger wäre als das vergleichbare Tierpräparat, erklärt keinen Therapienotstand. Das bedeutet , wir Tierärzte dürfen das billigere Humanpräparat nicht verwenden oder verschreiben, wenn ein gleichwertiges Tierarzneimittel in Deutschland zur Verfügung steht. Dies mag ärgerlich und unlogisch erscheinen, aber Gesetz ist nun mal Gesetz, auch wenn es uns nicht gefällt. Also haben sich Tierärzte, Tierbesitzer und Apotheker daran zu halten. Schließlich fahren Sie auch nicht über eine rote Ampel, wenn die Straße frei erscheint und keine Polizei da steht, oder?

Welche Medikamente erhält man nun in der Tierarztpraxis?

Das sind alle Tierarzneimittel von den nichtverschreibungspflichtigen wie z.B. bestimmten Vitaminpräparaten bis zu verschreibungspflichtigen wie z.B. die meisten Parasitenmittel, Herztabletten, Antibiotika etc.. Außerdem hat die Tierarztpraxis auch die meisten der Humanarzneimittel, die entsprechend dem Therapienotstand zu verwenden sind, vorrätig. In wenigen Ausnahmefällen ist es für Tierärzte nicht möglich, das entsprechende Menschenmedikament über den Großhandel zu beziehen. Dann und nur dann erhalten Sie ein Rezept für die Menschenapotheke.

Arzneimittel habe Ihren Preis!

Tierarzneimittel sind oft teurer als vergleichbare Humanarzneimittel. Das liegt daran, dass auch für ein Tierarzneimittel ein großer (teurer) Forschungsaufwand nötig ist, bevor es zugelassen werden kann. Die Bestimmungen für die Zulassung eines Tierarzneimittels sind die gleichen wie für "Menschen"-Arzneimittel. Der Absatzmarkt für die Tierarzneimittel ist aber wesentlich kleiner als für Menschenmedikamente. Daher müssen Tierarzneimittel zwangsläufig teurer sein.

Für die Berechnung des Verkaufspreises gibt es wiederum gesetzliche Bestimmungen - die Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV, 2004). Diese legt sowohl für Apotheker als auch für Tierärzte fest, wieviel Zuschläge bei verschreibungspflichtigen Medikamenten auf die Einkaufspreise erhoben werden müssen. Nichtverschreibungspflichtige Fertigarzneien unterliegen nicht der Preisbindung.

In Apotheken sind Tierarzneimittel oft teurer als in der Tierarztpraxis, weil sie nicht vorrätig sind, sondern als Einzelmittel extra bestellt werden müssen und nicht wie von uns Tierärzten in größeren Mengen vom Großhandel abgenommen werden. Für verschreibungspflichtige Medikamente, die in der Praxis angewandt oder in kleineren Mengen abgegeben werden, gelten wiederum etwas höhere Zuschläge als für reine Abgabepräparate.

Fazit:

Es nützt also nicht viel, in die (Menschen-)Apotheke zu gehen.
Daher gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie besser Ihre/n Tierarzt/Tierärztin und nicht Ihren Apotheker!" Wen sonst?